Buch-Cover "Sweet Gratitude, A New World of Raw Desserts", M. Rogers and T. Alipo Tamborra

Rohkost? Nein danke!

Die meisten Menschen können sich heutzutage nicht vorstellen, auf eine reine Rohkost-Ernährung umzustellen. Sie wehren instinktiv ab und antworten mit „Nein danke!“. Dabei spielen neben verschiedenen kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen der Lustfaktor und das Fremdurteil eine bedeutende Rolle. Es wird Zeit, einige Mythen über „gesunde“ Ernährung zu entkräften und stichhaltige Argumente für die Rohkost ins Feld zu führen.

Allgemeine Vorbehalte gegen Rohkost

Essen geniesst in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Unsere Kostform bringt uns Genuss und wir zelebrieren sie auch gern in einer netten Runde oder bei öffentlichen Anlässen. Wer sich in diesem Umfeld für eine rein rohe Ernährung entscheidet, erntet oft Unverständnis innerhalb der Familie oder in seiner näheren Umgebung. Einerseits, weil sich viele Leute nicht vorstellen können, dass Rohkost schmackhaft sein kann – und andererseits, weil sie nicht klar wissen, was eine wirklich gesunde Ernährung ausmacht. Traditionsbedingt halten sie seit Langem an veraltetem Ernährungswissen fest und kommen nur schwer an verlässliche Informationen und Vergleichsmöglichkeiten heran.

Trotz der beunruhigenden Gesundheitsstatistiken (vor dem Hintergrund einer immer höheren Lebenserwartung) erkennt unsere Gesellschaft selten, dass unsere Ernährungsweise auf Dauer Schaden im Körper anrichtet. Zwar hören wir gelegentlich, dass wir zu viel, zu fettige und zu salzige Speisen konsumieren, bringen dies aber nicht primär in Zusammenhang mit Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Arteriosklerose. Tatsächlich brechen diese aber immer häufiger und zunehmend bei jüngeren Personen aus (siehe dazu die Buchbesprechung „Salt Sugar Fat“ von Michael Moss). Auch die Ärzte schieben viele Krankheitsursachen gern auf die Gene ab. Dabei vergessen sie, dass ungesundes Essverhalten zu vielen Veränderungen an unseren Genen führt. Gewisse genetische Modifikationen vererben wir an unsere Kinder weiter. Möglicherweise haben wir sie sogar bereits von unseren Eltern mitbekommen und verschlimmert. Wichtige Stichworte dazu sind die DNA-Methylierung und die Epigenetik.

Dazu kommt, dass viele Menschen, die sich bewusst ernähren, ihre gewählte Kostform grundsätzlich für wertvoll halten (z.B. die mediterrane Küche) und nicht bereit sind, diese zu hinterfragen. Meist vertrauen sie dabei auf ungenügend begründete Annahmen oder auf Empfehlungen der Nahrungsmittelindustrie – oder sie geben sich allzu schnell mit halben Lösungen zufrieden.

Ein schwerer Stand also: Verfechter der Rohkost gelten innerhalb unserer Gesellschaft häufig als Aussenseiter, als genusslose Kostverächter und übertriebene Gesundheitsfanatiker.

Rohkost kann höchsten Genuss bedeuten

Ein solch negativer Eindruck hält sich auch daher hartnäckig, weil rohe Früchte und vor allem rohes Gemüse im Verruf stehen, langweilig und nicht sehr geschmacksintensiv zu sein. Doch das Gegenteil ist der Fall: Jede einzelne Zutat hat ihren eigenen Geschmack und es gibt weit mehr roh essbare Lebensmittel als man sich vorstellen kann.

Aber woher sollten die Menschen auch wissen, dass die Kochkost mit ihren Maillard-Molekülen einen negativen Einfluss auf unseren Geschmackssinn hat? Und umgekehrt, dass sich dieser Geschmackssinn bei einer konsequenten Kostumstellung recht bald wieder vollends auf den Reichtum an einzelnen Aromen einpendelt? Allerdings nur, wenn man konsequent bei der rohen Kost bleibt und nicht in alte Gewohnheiten zurückfällt.

Ernst Erb war vor seiner Umstellung auf Rohkost ein Gourmet – und ist das auch als Rohköstler geblieben. Aus diesem Grund ist es ihm ein Anliegen, die vielen genussvollen Seiten der Rohkost in die Welt zu tragen.

Erste Argumente für eine Umstellung

Wie oben erwähnt, stärkt eine konsequente und informierte Umstellung auf Rohkost unsere Gesundheit. Kochkost und Fastfood hingegen sind schleichende Gifte (siehe dazu den Einführungsartikel Westliche Ernährungsweisen). Zudem deckt die Wissenschaft nach und nach Verluste auf, die bei der Kochkost entstehen. Im Vergleich zu naturnahen Lebensmitteln enthält die Kochkost nämlich weniger sekundäre Pflanzenstoffe (Farbstoffe, Aromen, Hormone, Enzyme) und Vitamine (Vitalstoffe). Schuld daran ist die Denaturierung während des Koch- und Verarbeitungsprozesses. Auch ausgelaugte Böden und Massenproduktion führen zu Nährstoffverlusten. Früchte und Gemüse aus naturnahem und regionalem Anbau können dem entgegenwirken.

Die Lobbys der Lebensmittelindustrie und der chemischen Industrie führen uns in die Irre: Sie versorgen uns mit genmanipulierten Zutaten und ungesunden Fertigprodukten mit viel Geschmacksverstärkern. Sie preisen synthetische und mittels Kulturen gewonnene Nahrungsergänzungsmittel an, anstatt eine natürliche Nährstoffzufuhr durch naturnahe Zutaten zu empfehlen. Lesen Sie dazu die Buchbesprechung „Die Ernährungslüge“ von Hans-Ulrich Grimm. Hinter der Rohkostbewegung hingegen kann keine Lobby stehen – abgesehen von ein paar Naturschützern.

Milch und Milchprodukte sowie erhitzte Getreideprodukte schädigen unseren Organismus. Menschen, deren Kreislaufsystem auf Koständerung direkt reagiert, spüren nach einigen Tagen Rohkost deutliche Vorteile. Mehr Informationen zum Thema Milch finden Sie in der Buchbesprechung „Milch besser nicht“ von Maria Rollinger.

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Im nächsten Teil (Warum Rohkost?) diskutiert Ernst Erb die einzelnen Argumente pro und contra Rohkost im Detail.

Bei diesem Text handelt es sich um die Zusammenfassung eines längeren Artikels, den Ernst Erb als Bestandteil einer Textreihe auf https://www.diet-health.info veröffentlicht hat. Die ausführliche Fassung ist unter diesem Link verfügbar.